Family Update

Abgesehen davon, dass das Projekt „Stromanschluss“ nur schleppend vorangeht, tut sich in Amani doch so einiges.

Mgeni, die sich immer noch wie eine Schneekönigin über das „neue“ Haus freut und probiert, es so schön wie möglich zu gestalten, litt in letzter Zeit an Ohrenschmerzen und Problemen mit ihren Füßen. Ihr linkes Ohr verschließt sich ab und zu, sie hört dann tage- oder sogar wochenlang nichts auf dieser Seite, bis es einmal „Blopp“ macht. Mit Ohrentropfen haben wir dieses Problem ziemlich gut in den Griff bekommen. Wegen ihren Beinen, welche sie in der Früh nicht tragen wollen, wollte sie aber nicht zum Arzt, wie ich es vorgeschlagen hatte, im Spital würde sich doch eh niemand darum kümmern, wir würden nur unseren Tag vergeuden… Vor drei Wochen erzählte sie mir, dass sie eine alte Freundin wiedergetroffen hätte, die anscheinend dasselbe Problem hatte und sich von einem Arzt in einer kleinen christlichen Klinik in der Ortschaft Machui mit Erfolg behandeln hatte lassen. Sie würde auch lieber diesen Arzt aufsuchen, als das staatliche Mnazi Mmoja Hospital. Die Behandlung bestünde aus Nadeln, die einem in den Fuß gestochen würden, und das einmal die Woche. Ich ging davon aus, dass die Rede von Akupunktur war und willigte ein, ihr das Geld dafür zu geben, insgesamt 20.000 Tsh. Wenn es ihr besser geht, möchte Mgeni Ende April in ihre Heimat Pempa fahren, um sich etwas vom ganzen Geschehen zu Hause zu erholen. Es ist ihr nicht zu verdenken…

Damtu möchte einen kleinen Friseursalon eröffnen. Bis sie genug Kunden hat und sich einen Namen in der Umgebung gemacht hat, möchte sie zu Hause arbeiten, sobald der Strom eingeleitet wurde. Wenn alles gut geht, kann sie später einen kleinen Laden an der Straße anmieten. Ihr Mann Simba hat derzeit keine Arbeit. Er hat bis Anfang Februar in Kendwa einen kleinen Souvenirshop am Strand betrieben, doch die Regierung hat diese Shops verboten und sie niedergebrannt, die Besitzer wurden vertrieben. Angeblich schaden die Shops dem Geschäft der Hotels, die haben sich aber angeblich nicht darüber beschwert. Auch das Gerücht, die „Beachboys“ würden die Touristen bestehlen, scheint nicht zu stimmen. Das ganze ist mehr als merkwürdig und hat gleichzeitig unzähligen Menschen ihre Arbeit gestohlen. Ihr Sohn Sele geht weiterhin zur Schule. Zur Zeit besucht er die letzte Klasse der Nursery School und ab September die erste Klasse der Primary School. Wobei ich sagen muss, dass der Stoff der Nursery School so ist wie bei uns der der Volksschule. Unterrichtet werden die Fächer Kiswahili, Englisch, Mathematik, Religion und Zeichnen. Seles letztes Zeugnis war sehr gut, Probleme hat er nur im Fach Englisch, da ihm das Auswendiglernen des Alphabets noch schwer fällt.

Mkongwe und ihr Mann Amery haben die drei vorgeschriebenen Monate Wartezeit für ihre Scheidung, welche dazu dient, eine mögliche Schwangerschaft auszuschließen und dem Paar noch eine Bedenkzeit zu geben, hinter sich. Keiner will zum anderen zurück, Amery widmet seine neu gewonnene Freiheit dem Alkohol, statt sich um seine zwei Töchter zu kümmern. Die kleine Samrat wurde gerade von der Brust entwöhnt und weint seither fast ununterbrochen.

Swaiba konnte nicht mehr in die Nursery School gehen, denn ihr Vater weigert sich, dafür zu bezahlen und ihre Mutter hat keine Arbeit. Nun hat mein Vater sich großzügigerweise dazu bereit erklärt, für die Kosten ein Jahr lang aufzukommen. Seit 1. April geht Swaiba also in dieselbe Schule, die auch Sele besucht, und zwar in einem kleinen weißen Hemdchen und einem dunkelgrünen Rock.

Von Wastara kommen die wahrscheinlich besten Neuigkeiten, denn sie hat vorletzte Woche mit ihrer Ausbildung zur Schneiderin begonnen. Der Lehrgang dauert ein Jahr, der Kurs findet 5 Tage die Woche von 7 in der Früh bis 13 Uhr statt. Sie hat zunächst zwischen Köchin und Schneiderin geschwankt, sich aber schließlich für Letzteres entschieden, da man beim Kochkurs täglich die benötigten Zutaten selber mitbringen muss, was auf die Dauer schwer zu bezahlen wäre. Auch beim Schneiderkurs muss man eigene Stoffe mitbringen, anfangs jedoch lernen die SchülerInnen mit Papier und Stoffe sind hier ironischerweise bei weitem nicht so teuer wie Nahrungsmittel, ein Meter kostet etwa 600 Tsh, also 30 Cent. Die gesamte Ausbildung kostet nur 70.000 Tsh, also umgerechnet 40 Euro. Ich hoffe, dass ihr die Ausbildung neue Perspektiven im Leben bieten wird und sie sich selbst bald nicht mehr in einer aussichtslosen Situation sieht, sondern als unabhängige, fähige junge Frau, die ihre Zukunft selbst in die Hand nehmen kann.

(Danke an meinen Vater, der mir seine Fotos für diesen Beitrag zur Verfügung gestellt hat.)

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Noch immer kein Licht in Amani

Mittlerweile sind schon einige Wochen vergangen und die traurige Nachricht ist, in Amani brennen noch immer keine Lichter.
Noch bevor die Stromversorgung auf Zanzibar am 9. März wieder zu funktionieren began, haben wir alle nötigen Vorbereitungen für den Anschluss getroffen. Aber wie sieht die Prozedur für einen Stomanschluss auf dieser Insel aus?

Die bequemste Variante ist, alles dem Stromunternehmen zu überlassen. Bis zur Fertigstellung kann dies allerdings einige Monate beanspruchen, da sie in der Regel länger braucht, um die Arbeit überhaupt zu beginnen. Auch verlangt sie dafür deutlich mehr Geld.
Hat man es etwas eiliger, kann man einen eigenen Elektriker beauftragen, alle Kabel, Schalter, Steckdosen, Sicherungskasten etc. zu installieren, so dass schlußendlich nur mehr ein Elektriker des Unternehmens die Stromleitung von einem der Nachbarhäuser bis zum eigenen Haus verlegen muss. Danach müssen Registrierungsformulare beim Unternehmen abgegeben und die Gebühren dafür bezahlt werden, anschließend kommt ein so genannter Survey und misst die Distanz, rechnet so die Länge für die Leitung aus und teilt einen mit, ob man noch weiteres Material benötigt, wie in unserem Fall beispielsweise einen Strommasten.

Wir entschieden uns für die zweite Variante, nichtsahnend, wie aufwendig die ganze Angelegenheit sich gestalten würde. Zunächst beauftragten wir drei verschiedene Elektriker damit, einen aktuellen Kostenvoranschlag zu machen. Viele Elektriker arbeiten offiziell für das Stromunternehmen und arbeiten in ihrer „Freizeit“ auch privat, um ihr spärliches Gehalt aufzubessern.

Der erste Elektriker war etwas suspekt, stellte eine zwei seitige Liste mit benötigtem Material zusammen, auf der auch der Zähler aufschien, welcher eigentlich vom Unternehmen selbst geliefert wird. Aber dieser Herr erklärte mir, man könnte auch einen gebrauchten Zähler am Markt erwerben und diesen dann umprogrammieren. Aja, kann man…? Danke, wir werden sie anrufen, sobald wir das Geld zusammen haben…

Der nächste meinte, mit dem Zähler hätte er nichts am Hut und schrieb geschwind eine Materialliste. Er rechnete den Preis aus – 450.000 Tsh – wir könnten ihm das Geld sofort geben und er würdegleich morgen alles besorgen und dann mit der Arbeit beginnen…. Die Registrierung würde er auch für uns machen, wir müssten ihm nur einen Personalausweis mitgeben…

Schließlich fanden wir unseren Mann, ein Verwandter einer Nachbarin, der schon mehrere Leitungen in der Umgebung gelegt hat. Sorgfältig schrieb er alles auf, erklärte, nicht ohne uns genau zu erklären, was er wofür benötige. Er gab uns eine ungefähre Vorstellung von den Preisen, meinte aber, man müsse selber in die Geschäfte gehen und sehen, wo was am billigsten sei. Guter Plan. Wir bekamen Tipps, in welchen Geschäften wir es probieren sollten und dann nannte er uns den Preis für seine Arbeit: 150.000 Tsh, deutlich weniger als seine beiden Vorgänger.

Am nächsten Morgen machten wir uns mit Hamadi und Simba auf zum Shopping. Auf halben Weg beschloß ich aber, die beiden alleine ziehen zu lassen, da meine Anwesenheit wahrscheinlich nicht wirklich förderlich war, um einen möglichst niedrigen Preis zu erzielen. Nach knapp zwei Stunden riefen sie mich an und wir trafen uns wieder. Sie hatten 145.000 Tsh ausgegeben, im Gegensatz zu der 450.000 Tsh Prognose ein Schnäpchen! Am Nachmittag kam der Elektriker, kletterte an den Wänden rauf und runter – ohne Leiter wohl bemerkt – , schmiss mit Kabeln um sich, schnitt sie ab, knotete sie zusammen, schob sie durch die Kanäle, zog sie wieder raus, ordnete sie anders an. Dann drehte er die Kiste mit den Schalter um und entleerte sie auf den Boden, kramte darin herum, schraubte hier, schraubte da. Das selbe Spektakel mit den Steckdosen. Während seinem Spiderman Schauspiel bröckelte der Putz an der noch unfertigen Decke ab, Staub wirbelte herum, Kabelreste und Verpackungen flogen umher. Ich versuchte Schadensbegrenzung zu betreiben und lief mit dem Besen hinter ihm her, was sich bald als Sisyphus-Arbeit entpupte… Ich gab auf.

Am Abend teilte der Elektiker uns mit, dass er am nächsten Morgen wieder kommen müsste, um die Außenlampe zu montieren, die Erdung und den Sicherungskasten zu machen. Also kam er wieder, doch verzichtete er diesmal auf seine akrobatischen Übungen. Bis Mittag war er mit allen Arbeiten fertig und ich hatte eine Menge dazu gelernt. Zum Beispiel, dass man, um eine Erdung zu machen, ein Loch gräbt und es mit Kohle und 3 Kilo Salz füllt. Oder, dass man Kabelhalter einfach aus seiner eigenen Gummihülle basteln kann…

Nach der Registrierung beim Unternehmen kam der schwierigere Teil der ganzen Angelegenheit: das Stromunternehmen dazu zu bekommen, jemanden zum Distanzmessen zu schicken. Nachdem auch dafür Wartelisten existieren, meinten die Nachbarn, die Surveys würden nach der Arbeit auch privat vorbeischauen und das Ergebnis auf ein offizielles Formular kritzeln. Also kam der erste daher. Ich war noch nicht da, aber Hamadi und Damtu waren schon im Gespräch mit ihm vertieft und verkündeten mir seinen Kostenvoranschlag. Er meinte, dass das ganze 600.000 Tsh kosten würde, wenn man den offiziellen Weg gehe, er würde es aber um 400.000 Tsh machen. Als er mich sah, fiel ihm noch irgendetwas ein, das er vergessen hatte und wollte plötzlich 450.000 Tsh. Ich war etwas sauer.

Ich rief meinen Freund Siso an, um ihn zu fragen, ob er sich noch daran erinnern könne, was er für den Stromanschluss gezahlt hatte. Er wusste es nicht mehr, sagte mir aber, dass ein Freund von ihm beim Stromunternehmen arbeitet und er ihn sofort anrufen würde. Leider konnte er ihn aber nicht erreichen, so schickte ich den schon schlecht gelaunten Herren weg…

Am nächsten Tag kam ein anderer Survey zu uns, ein Bekannter von Damtu. Die Kosten für seine Arbeit fielen deutlich billiger aus, er meinte allerdings, dass man das Material für den Anschluss direkt beim Unternehmen kaufen müsse, ansonsten würde dieser nicht akzeptiert, der Zähler also nicht aktiviert werden. Außerdem meinte er, wir bräuchten einen Strommasten und nicht nur einen Masten am Dach, wie der erste Survey gesagt hatte.

Wir waren ratlos. Wieder rief ich Siso an, der kurzerhand mit mir zum Stromunternehmen fuhr und mich seinem Freund persönlich vorstellte. Er bestätigte die Information, dass das Material direkt bei ihnen gekauft werden müsse und meinte, dass er sich das mit dem Masten ansehen müsse. Das Problem war nur, dass wir am nächsten Tag nach Dar es Salaam abfahren mussten. Mgeni wollte nicht, dass ich das Geld für den Anschluss im Haus lasse. Sie meinte es wäre besser, wenn Hamadi und ich für einige Tage nach Zanzibar zurückkommen und die Angelegenheit persönlich klären würden. Hamadi wird also nächste Woche hinfahren und mit Sisos Freund hoffentlich den Stromanschluss fertigstellen. Damit Sele nicht mehr erfolglos auf den Lichtschaltern herumklicken muss…

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Ironie des Schicksals: Projekt ausfinanziert, aber weit und breit kein Strom

Das Stromprojekt ist ausfinanziert! Ein extrem großes Dankeschön an Herrn Jürgen Piller, der dies mit seiner großzügigen Spende ermöglicht hat, aber auch an alle anderen SpenderInnen!

Am Mittwoch ist es also so weit und ich fliege wieder nach Zanzibar. So bald wie möglich werden wir dann die Stromeinleitung in Angriff nehmen.
Zunächst einmal möchte ich aber anmerken, dass der Strom auf Zanzibar bereits seit 10. Dezember aufgrund eines Defekts des Transformators nicht funktioniert, er soll angeblich am 20. Feber wieder eingeschaltet werden!

Was ist passiert?
Der Strom auf Zanzibar kommt über eine, durch das Meer verlegte Leitung von Ras Kiromoni her, in der Region von Dar es Salaam. Diese Leitung wurde in den 1970ern gelegt und sollte 30 Jahre funktionieren. Nun sind schon weit über 30 Jahre vergangen und die Leitung wurde noch immer nicht komplett ersetzt, dabei wäre dies aufgrund der vielen Stromausfälle schon länger bitter nötig gewesen. Doch leider ist immer nur in Reparaturen investiert worden. Die Folge dieser Sparmaßnahmen war ein totaler Zusammenbruch des Stromsystems am 10. Dezember und eine Explosion im Transformator der ZECO (Zanzibar Electricity Company) in der Ortschaft Fumba im Westen Zanzibars.
Die Reparaturarbeiten in Fumba sind immer noch im Gange und sollen noch bis 20. Feber andauern:

We have been going on well with the work of restoring power. A team of technicians from England, South Africa, Zanzibar, and Ericson company have been working hard, and we hope to have the power restored by February 20 this year“ said Mr Hassan Mbarouk, the acting ZECO manager. (Daily News)

Der Austausch der gesamten Stromleitung vom Festland soll angeblich durch die USA Millennium Challenge Corporation (MCC) mit über 63 Millionen US-Dollar finanziert werden und bis 2013 beendet sein.

Diese lange Periode des Stromausfalls, sowie regelmäßige Probleme, sind nicht nur für die Lebensqualität höchst unangenehm, sie führen, abgesehen von schweren wirtschaftlichen Einbrüchen, angefangen von Privatunternehmen, die sich keinen Generator leisten können, über steigende Preise, die alle Menschen gleichermaßen betreffen und den Tourismus Sektor,
auch zu schwerwiegenden Problemen der Wasser- und Kraftstoffversorgung, Versorgungsengpässen in Krankenhäusern und teilweise Schließungen von Schulen.

Zurück nach Amani.
Die Firmen zu beauftragen und das Material zu besorgen wird hoffentlich auch trotz Stromausfall möglich sein, vorausgesetzt natürlich, sie arbeiten. Ich halte Euch natürlich auf dem Laufenden, wie das Projekt umgesetzt wird und bedanke mich noch mal ganz herzlich bei Euch allen!

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Strom – die wichtigste Nebensache der Welt?

Stellt dir einmal vor, du müsstest einen ganzen Tag ohne Strom auskommen.

Der Wecker läutet nicht – außer vielleicht die Weckfunktion des – noch – aufgeladenen Handys. Du würdest verschlafen. Die Kaffeemaschine streikt – Instantcafe mit kaltem Wasser? Dann lieber doch müde bleiben. Auch das Frühstücksradio kann dich heut nicht aufheitern. Die Milch im Kühlschrank ist schon lauwarm, aber zum Müsliessen muss es reichen. Stress breitet sich aus, schneller Sprung unter die eiskalte Dusche. Und die elektrische Zahnbürste? Und der Fön? Und Schminken im Halbdunklen? Sei zur Abwechslung mal nicht so eitel und, dass du bei der mangelnden Beleuchtung keine zusammenpassenden Socken findest ist jetzt auch egal….

Schnell ins Büro. Auf den Straßen herrscht das Chaos, die Ampelschaltung ist ausgefallen, du entscheidest dich für die Straßenbahn, aber… ach ja, die hängt ja auch am Stromnetz. Dann gehst du halt zu Fuß, Bewegung am Morgen soll bekanntlich ohnehin gut tun, dass der Lift in der Arbeit zwischen den Stockwerken hängt trägt auch nur zur Gesundheit bei. Deine Emails checken? Wichtige Telefonate führen? Dann arbeitest du heute eben einmal nicht…

Auf zum Supermarkt, wo die Angestellte sich heute im Kopfrechnen übt, nachdem die Feuerwehr die elektrischen Türen aufgebrochen hat. Die Tiefkühlkost zerrinnt im wiederverwendbaren Einkaufsackerl und tropft die Kerzen naß. Milch hat es keine gegeben, weil kein Bauer mehr weiß, wie man von Hand melkt, aber das tut ja jetzt auch nichts zur Sache….

Hungrig und entnervt kommst du endlich zu Hause an. Was ißt du jetzt bloß? Brot oder Cornflakes sind das einzige, was nicht gekocht werden müsste. Dass du deine Sachen für den nächsten Tag nicht waschen kannst, ist angesichts der Tatasache, dass die Arbeit lahm liegt, wirklich nebensächlich. Und mit kaltem Wasser machst du dir doch nicht die Hände kaputt. Dann wieder unter die kalte Dusche, oder interessiert es dich heute nicht, ob du nach Joghurt und Honig riechend am Sofa ausspannst, um das Privatleben deiner Freunde auf Facebook zu erkunden, während im Hintergrund Desperate Housewifes läuft? Achso, das war wohl wieder nichts. Deine beste Freundin anrufen kannst du jetzt auch nicht, dein Handy verbraucht wohl doch mehr Akku, als du gedacht hast und hat sich gerade mit dreifachem Piep von dir verabschiedet. Morgen wieder kein Wecker. Was bleibt also übrig? Lesen. Bei Kerzenschein doch etwas anstrengend mit der Zeit. Geh doch einfach schlafen…

Wir verbrauchen Strom in unserem Alltag völlig unbewusst. Strom ist eine Nebensache, vielleicht die wichtigste Nebensache der Welt? Sei doch ehrlich, dein Leben würde kopfstehen ohne Strom.

Nun stell dir ein anderes Szenario vor, eines, in dem ein Tag ohne Strom keine Abnormalität oder Katastrophe darstellt, sondern etwas ganz Alltägliches….

Für den Großteil der ländlichen Bevölkerung Zanzibars ist das Leben ohne Strom Alltag. So auch für Mgeni und ihre Familie.
In der Früh weckt sie der Hahn, falls sie nicht von der unerträglichen Hitze, der stehenden Luft und den summenden Moskitos wach geworden ist. Wie angenehm wäre bei solchen Temperaturen manchmal ein Ventilator? Sie geht hinaus, sucht ein paar Kokosnussschalen zusammen, zündet ein kleines Feuer an und kocht Tee. Sie weckt die Kinder, Sele muss in die Schule. Er wäscht sich schnell mit dem halbvollen Kübel Wasser, der noch vom Vortag übrig geblieben ist, zieht seine Uniform an und marschiert los. Mgeni baut noch eine Feuerstelle, stellt ihre Kochtöpfe darauf und beginnt, Reis und Spinat zu kochen. Am späteren Vormittag wird sie das Essen zu Fuß zum Markt bringen und versuchen, es zu verkaufen. Ihre Töchter gehen in der Zwischenzeit zum nächsten Brunnen, 20 Minuten entfernt, holen Wasser und waschen die Wäsche. Am Brunnen hören sie den neuesten Klatsch und Tratsch aus dem Leben der anderen. Die Kinder stellen sich der Reihe nach auf und warten, bis sie an der Reihe sind in den Bottich mit kaltem Wasser zu springen und abgerubbelt zu werden. Am späten Nachmittag kommt auch Sele langsam nach Hause, die Sonne geht bald unter. Er hofft, dass er mit den Hausaufgaben fertig wird, bevor das ganze Haus von der Dunkelheit verschluckt wird. Das Essen, dass am Markt übrig geblieben ist, wird auf der Feuerstelle wieder aufgewärmt und die Nachbarn bringen ihre Reste vorbei . Sie zünden die kleine Petroleumlampe an, damit sie wenigstens nicht im Dunkeln essen müssen. Alles muss aufgegessen werden, bis morgen wird es durch die Hitze ungenießbar sein. Ein wenig wird noch geplaudert, dann gehen alle schlafen, das Petroleum darf nicht unnötig verschwendet werden. Dunkelheit auf Zanzibar ist vor allem eines: still.

Deine Spende hilft.

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Bildung in Tansania

Aus Anlass der großzügigen Spende und Übernahme von Seles Schulgebühren für das gesamte Schuljahr, möchte ich einen kurzen Überblick über das Bildungswesen Tansanias geben.

Wie in den meisten Entwicklungsländern, ist auch das Bildungssystem in Tansania ein Erbe des Kolonialismus und – am Festland – der Missionierung. Das westliche System und seine Sprache wurde dem Land quasi übergestülpt, vorkoloniale Systeme verdrängt, mit dem Ziel, Personen für die Kolonialverwaltung auszubilden. Ein Großteil der Bevölkerung war ausgeschlossen, berufsbildende und technische Disziplinen wurden vernachlässigt. Durch die Kirche und lokale Initiativen entstanden private Schulen und Lehrerausbildungseinrichtungen. So war das Bildungssystem bei der Dekolonisierung 1962 sehr heterogen und trotz Unabhängigkeit führten wirtschaftspolitische Interessen der ehemaligen Kolonialmacht Großbritannien zu einer Weiterführung des Systems: Strukturen, Lehrpläne und –methoden, Unterrichtssprache, Verwaltungs- und Prüfsysteme blieben dieselben. In Tansania kam es jedoch unter Präsident Julius Nyerere und seinem Ujamaa-Sozialismus zur Herausbildung der „Education for Self-Reliance“, ein nationales Schulsystem, im Zuge dessen private Schulen verstaatlicht und zahlreiche Sekundarschulen gebaut wurden. Dennoch darf nicht vergessen werden, dass auch Nyereres Konzept geprägt war von der europäischen politisch-philosophischen Auffassung eines sozialistischen Modells.

Das System konzentrierte sich vor allem auf die Bedürfnisse der Landbevölkerung, die Grundschulbildung sollte für alle ermöglicht werden. Dies gelang zwar bis Ende der 1970er Jahre (fast 100%), Tansania hatte die höchsten Alphabetisierungsraten Afrikas. Doch das alternative System konnte sich langfristig nicht durchsetzen. Die Lehrerkapazitäten konnten den plötzlichen großen Andrang nicht befriedigen, die finanziellen Möglichkeiten reichten nicht aus, um eine vertretbare Qualität zu schaffen. Aufgrund des Arbeitskräftebedarfs wurde der Sekundarschulsektor klein gehalten, nur 5% der Schüler_innen konnten die Prüfung, die den Übergang in die Sekundarstufe ermöglichte, positiv ablegen. Die Regierung musste schon bald dem Druck lokaler Initiativen nachgeben und die Wiedereinrichtung privater Sekundarschulen zulassen. Dies stellte den Anfang des Wiederentstehens eines privaten Schulsektors in Tansania dar.

Durch die wirtschaftliche Rezession der 1980er Jahre musste Tansania, so wie der Großteil ehemaliger Kolonien, im Rahmen der sogenannten Strukturanpassungsprogramme seine öffentlichen Ausgaben kürzen, was einen drastischen Rückgang der Bildungsbeteiligung zur Folge hatte. Die Einschulungsraten im Primarsektor sanken allein zwischen 1990 und 1993 von 90% auf nur 53,2%. Aufgrund der Bildungsmisere definierte die UNO mit dem EFA-Ansatz (Education for all) das Ziel der universellen Grundbildung für alle bis 2015, woraufhin es seit Mitte der 90er zu einem Wiederanstieg der Einschulungsraten kam.

Die weltweite Kommerzialisierung der Bildung hat großen Einfluss auf die Bildungssysteme der Entwicklungsländer, so steigt auch in Tansania das Angebot privater Bildungseinrichtungen, es kommt zum Abbau staatlicher Institutionen. Dies führt zu einer sozialen Polarisierung und schränkt Bildungsmöglichkeiten für ärmere gesellschaftliche Schichten ein. Trotz der Einführung des EFA und 20 Jahre langer Förderung von Primarschulbildung, konnte bislang Armut nicht gemindert werden, zudem stellt sich die Frage, ob die starke Konzentration auf die Grundschule nicht zu einer Festigung der bestehenden globalen Arbeitsteilung führt. Viel zu wenig wird Erwachsenenbildung, Berufsbildung und der Einsatz von Bildung für die Bekämpfung von Problemen wie HIV/AIDS gefördert.

Sinkende Mittel führen in Tansanias Primarschulen zu einem „Cost-Sharing“, das heißt Eltern werden dazu aufgefordert, sich an den Kosten für den Schulbetrieb zu beteiligen, Prüfungskosten und Unterrichtsmaterial, sowie die verpflichtende Schuluniform zu bezahlen, was vor allem die ärmsten Familien überfordert. Dazu können die schlecht ausgestatteten Klassenräume die Zahl der Schüler gar nicht fassen. Vor allem durch das weit verbreitete „Tuition-System“ (Nachhilfe) wird Bildung immer teurer, da die Qualität des Unterrichts nicht ausreicht, um staatliche Prüfungen zu bestehen. Im Extremfall unterrichten die stark unterbezahlten Lehrer_innen nicht während der Unterrichtszeit, sondern erteilen nach oder vor dem Unterricht bezahlte Nachhilfe. Dies stellt eine der größten Hürden für den Besuch der Sekundarschule dar. Von Qualität und Chancengleichheit im Bildungssektor ist man in Tansania weit entfernt! Parallel zu den bildungspolitischen Herausforderungen läuft derzeit die Reform der Local Governments, die zukünftig für soziale Dienstleistungen wie Bildung und die Bezahlung der Primarschullehrer verantwortlich sein sollen.

Einige Zahlen zur Bildungssituation in Tansania:

Die Einschulungsraten im Primarsektor betrugen im Jahr 2007 74% (Jungen 76%, Mädchen 71%), sie liegen damit im gesamtafrikanischen Durchschnitt. In der Grundschule kommen auf 53 Schüler_innen eine Lehrer_in. In der Regel teilen sich 3-4 Kinder ein Schulbuch.
Gerade mal 83% der eingeschulten Kinder schließen die Grundschule überhaupt ab (7 Pflichtjahre). Im Sekundarsektor betrugen die Einschulungsraten nur mehr 33% (Jungen 37%, Mädchen 29%). Die Abschlussprüfung der Schulstufe Form IV (bei uns entspricht dies etwa dem Pflichtschulabschluss) betrug im Jahr 2006 35,7%.
Lediglich 1% der Bevölkerung befindet sich in Tertiärbildung.
Die Alphabetisierungsrate betrug unter den 15 bis 24 Jährigen 77,5% (78,9% Jungen, 76,2% Mädchen). Insgesamt betrug die Alphabetisierungsrate 72.3% (79,0% Männer, 65,9% Frauen).

Quellen und weitere Infos:
Davidson E. (2004) The Progress of the Primary Education Development Plan (PEDP) in Tanzania: 2002-2004. HakiElimu Working Papers.
Langthaler, Margarita (2005): Bildung im Süden. In: Gächter, August; Kolland, Franz (Hg.): Einführung in die Entwicklungssoziologie. Themen, Methoden, Analysen.Wien: Mandelbaum.
Müller, Ingo (2000): Zur Situation des Bildungswesens in Tansania. In: Tanzania-Network: Bildung. S. 10-11.
In: http://tanzania-network.de/download/HabarisOnline/2000_1.pdf
UNESCO Institue of Statistics (2007: Tanzania – Education Statistics. In: http://stats.uis.unesco.org/unesco/TableViewer/document.aspx?ReportId=198&IF_Language=eng&BR_Country=7620
United Republic of Tanzania (2007): Poverty and Human Development Report. In: http://planipolis.iiep.unesco.org/upload/Tanzania%20UR/Tanzania_NHDR_2007.pdf
Woods, Eric (2007): Tanzania country case study – UNESCO. In: http://unesdoc.unesco.org/images/0015/001555/155592e.pdf

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Neuer Bedarf

Auf der Plattform Betterplace.org wurde dem Projekt „Dringende Haussanierung“ jetzt neuer Bedarf hinzugefügt. Dieser betrifft die zusätzlichen Kosten für die Dachkonstruktion und den Stromanschluss. Desweiteren haben Sie die Möglichkeit, die Schulpatenschaft für Sele zu übernehmen, oder Dullis Schuhe zu „sponsern“ :-)

Vielen Dank!

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Projektverlauf auf Betterplace

Hier der Überblick über den Verlauf der Haussanierung in Amani, wie ich ihn auf der Spendenplattform betterplace.org veröffentlicht habe:

„In den vergangenen Wochen wurde der erste Teil des Projekts „Haussanierung“ in Amani/Zanzibar abgeschlossen. Es liegen drei Monaten voller Höhen und Tiefen hinter mir bzw. uns, voller motivierender, aber auch frustrierender Momente. Nicht immer ist alles genau so abgelaufen wie ich mir das im Vorhinein vorgestellt habe und trotz der großen Veränderungen konnte ich Mgeni und ihrer lieben Familie nicht immer alles geben, was ich mir für sie wünschen würde. Dies hat nicht nur finanzielle Gründe, sondern ist auch bedingt durch sich in den letzten drei Monaten verändernden Umständen innerhalb der Familie: (Krankheiten, Scheidungen… auf all das wird in meinem Blog eingegangen).

Der gesamten Verlauf der Projektumsetzung ist detaillierter in meinem Blog nachzulesen, dennoch möchte ich eine kurze Zusammenfassung und einen Ausblick geben.
Mitte Juli wurde mit der Haussanierung begonnen. Bevor wir aber das eigentliche Projekt starten konnten, musste zunächst einmal ein anderes Problem gelöst werden: Die Kuh des Nachbarn hat bei ihren Streifzügen die Sickergrube des Hauses zum Einstürzen gebracht. Nun musste diese erst einmal repariert werden, da das große Loch im Boden gleich neben dem Haus nicht nur höchst unangenehm war, sondern auch eine Gefahr für die spielenden Kindern darstellte. Erst wurde ein Handwerker beauftragt, die Grube zu reinigen, was zwei Tage benötigte. Der Maurer schließlich riet uns, sie gleich um 1,5 Meter tiefer zu machen, da die ursprüngliche Grube für die wachsende Familie allmählich zu klein geworden war. Die Vergrößerung der Sickergrube, die Verkleidung mit Betonziegel und der Verputz nahmen etwa eine Woche in Anspruch und kostete etwa 60 Euro (Reinigung, Material, Arbeitszeit).

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–> 60 Euro

Der Maurer schrieb mir eine „Einkaufsliste“ mit allen Dingen, die er benötigen würde (Betonziegel, Zement, Sand, Kieselsteine, Eisenstangen, Fensterstützen) und wir vereinbarten seinen Tageslohn und jenen seines Helfers, insgesamt etwa 10 Euro pro Tag, für die Reparatur des bereits gelegten Fundaments, für den Anbau eines Zimmers und die generell nötigen Umbauten. Er rechnete mit 6 Tagen Arbeit. Aus diesen 6 Tagen wurde krankheitsbedingt (vermutlich Malaria) drei Wochen, in welchen ich immer wieder neues Material beschaffen musste, da seine „Einkaufsliste“ nicht enden wollte. Für jeden neuen Einkauf benötigte ich auch einen Transport, wobei ich pro Fuhre 5 Euro für den Wagen und die Kuh bezahlte.

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Ein weiteres Problem stellte schon nach kurzer Zeit die Wasserversorgung dar, die aber nötig war für das Mischen des Zements. Der nächste Wasserhahn befindet sich ja etwa 15 Minuten zu Fuß entfernt, wir mussten also jemanden finden, der das nötige Wasser für die Maurerarbeiten holt. Ein Dorfbewohner mit Fahrrad erklärte sich dazu bereit und lieferte uns tagtäglich etwa 13 Gallonen Wasser. Für jede zahlten wir ihm 250 Tsh, also pro Tag insgesamt ca. 2 Euro.
Vor ein weiteres Problem stellte uns zudem die Lagerung des Baumaterials! Glücklicherweise erlaubte uns ein Nachbar, es bei ihm gesichert unterzubringen.
Nun benötigten wir allerdings auch eine Schiebetruhe für das Hin- und Hertransportieren, die wir für einen Euro pro Tag mieteten.

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–> 308 Euro insgesamt

Nachdem der Anbau beendet war, machten sich die Maurer an die Verlegung der Küchenwand, also die Vergrößerung der Küche und die Erhöhung der WC-Wand, sowie allen bereits bestehenden Wänden. Ziel war, sie alle auf das gleiche Niveau zu bringen, um das Dach darauf legen zu können. Für diese Arbeiten zahlten wir dem Maurer eine Woche lang 5 Euro täglich, ersparten uns jedoch die Kosten für den Hilfsarbeiter, da Hamadi sich die Woche frei nahm, um zu helfen.

Zwischenzeitlich kümmerte ich mich um alle weiteren dringen notwendigen Dinge, wie den Kauf eines neuen Fensters + Gitters (52.000) für den Anbau.

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Mgenis Lattenrost war zusammengebrochen und die Matratze daraufhin in der Mitte gerissen. Ich ließ also einen neuen anfertigen (30.000) und Mgeni besorgte einen Überzug für die Matratze, die sie selbst zusammennähte (6.000).

Das Eingangstor musste beim Schmied bestellt werden: wir entschlossen uns für die mittlere Qualität (120.000).

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Die Moskitonetze (für 7 Fenster) und die Gitter + Leisten für die Anbringung kosteten 40.000 Tsh.

–> 215 Euro insgesamt

Der nächste Schritt war das Dach – eine besondere Herausforderung, da es gar nicht so leicht war, das richtige Material zu finden. Es kostete uns 3 Tage Sucherei und Preisverhandlungen, die mich den letzten Nerv kosteten. Der letztendliche Preis für das Dach übertraf den Kostenvoranschlag von Feber gewaltig, dazu kamen noch die hohen Kosten für den Dachdecker und sein Team, mit denen ich wahrlich nicht gerechnet hatte!
Das hatte mehrere Gründe: zunächst hatten wir mit viel weniger Material gerechnet, da das Dach nur in U-Form aufliegen und so ein kleiner Innenhof entstehen sollte. Wir haben uns aber schließlich doch dazu entschlossen, die Küche zu vergrößern und das Dach ganz zu schließen, so konnte auch ein kleiner Vorraum entstehen. Zweitens konnten viele alte Platten doch nicht wiederverwendet werden, da sie schon ganz vom Rost zerfressen waren. Die Preise sind in den vergangenen 6 Monaten kontinuierlich gestiegen, vor allem jene von Baumaterialien und Nahrungsmittel, weswegen der Häuserbau auf Zanzibar derzeit stagniert, was auch dazu führt, das Handwerker ihre geforderten Löhne erhöhen.

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Schlußendlich zahlte ich für die zusätzlich zu den alten benötigten Wellblechplatten 464,000 Tsh inklusive Transport, für die Balken 430,000 inklusive Transport und für die Dachdecker 180,000. Insgesamt sind das 590 Euro und damit praktisch das gesamte Budjet des Projekts!

–> 590 Euro insgesamt

Diese Situation frustrierte mich und ich dachte darüber nach, am Ende der Arbeiten nur noch den Boden legen zu lassen und auf den Innenverputz des Hauses zu verzichten. Nach langem Überlegen entschloss ich mich aber letztlich doch dafür, alles jetzt fertig machen zu lassen.

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Es musste auch noch die Frontseite des Hauses bis unter das Dach erhöht werden, wofür noch 150 Betonziegel nötig waren. Insgesamt haben die letzten Bauarbeiten 453,000 + 20,000 für den Transport gekostet, das Handwerkerteam hat für 2 Wochen Arbeit zusammen 290,000 Tsh bekommen.

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Gleichzeitig mit dem Verputzen der Wände wurde auch schon die Verrohrung für die hoffentlich zukünftigen Stromleitungen gelegt.

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–> 423 Euro insgesamt

Ich habe all diese Kosten dokumentiert und war ehrlich erschüttert über die Fehlkalkulationen im Februar. Dennoch wollte ich alles in meiner Macht stehende tun, um der Familie ein besseres Heim zu ermöglichen. Neben den Bauarbeiten habe ich auch andere Kosten übernommen:
Durch den Umzug zu seiner Großmutter musste der kleine Sele, der nun die zweite Klasse Volksschule besucht, Schule wechseln. Die einzige Schule in der Nähe ist eine Privatschule, die daher auch Geld kostet. Für drei Monate werden 35.000 Tsh fällig, zusätzlich brauchte er eine Schuluniform. Ich habe diese Kosten von 160000 Tsh übernommen (etwa 90 Euro).

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Swaiba hatte im Juli eine schwere Erkältung, die einfach nicht verschwinden wollte. Die Kosten für den Kinderarzt und ihre Medikamente betrugen etwa 15 Euro.

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Für Dulli habe ich neue Schuhe um 8 Euro bezahlt.

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Schließlich hat meine liebe Schwester die ersten Behandlungskosten für Mtumwa übernommen, die Ultraschalluntersuchung im Krankenhaus ermöglicht und ihre Medikamente bezahlt. Dafür möchte ich ihr nochmal danken.

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–> 114 Euro

–> 1500 Euro für den Bau

–> 1710 Euro insgesamt

In dieser Summe sind alle Kosten enthalten, die ich diesen Sommer für die Familie übernommen habe, also auch jene, die nichts mit dem Bau selbst zu tun hatten. Dennoch waren sie wichtig für das Wohlergehen dieser Menschen, die derzeit mehr als zuvor unter ihrer Situation leiden.

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Ein weiterer Schritt wäre, Elektrizität einzuleiten, was nicht besonders kompliziert ist, da die Nachbarn quer gegenüber bereits über eine Stromleitung verfügen, an die man sich anschließen könnte.

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Die Einleitung von fließendem Wasser hingegen ist derzeit nicht möglich, da die gesamte Wasserversorgung des Dorfes von der Regierung zur Zeit nicht gewährleistet werden kann. So funktioniert auch der in 15-minütige Entfernung liegende Wasserhahn nicht mehr, Wasser muss nun von einem Privathaus mit eigenem Brunnen, das etwa 20 Minuten entfernt liegt, gegen einen kleinen Kostenbeitrag geholt werden. Es laufen bereits Verhandlungen, mit ausländischer Hilfe einen von der Regierung unabhängigen Brunnen für das Dorf graben zu lassen, aber ob und wann dies realisiert wird, ist äußerst ungewiss.

Wie schon einmal berichtet, wird es für Mgeni immer schwerer zur Arbeit zu gehen, sie schafft die Schlepperei körperlich einfach nicht mehr und fühlt sich oft sehr schwach, zusätzlich zu ihrer sonstigen Frustration. Das Geschäft läuft auch längst nicht mehr gut, weswegen es sich praktisch nicht mehr rentiert, ihr gekochtes Essen auf den Markt zu schleppen. Somit fällt ein wichtiges Einkommen der Familie weg.

Mtumwa leidet nun bereits seit Monaten an ihren vor kurzem diagnostizierten Gallensteinen, eine Diagnose, die erst durch meine Schwester ermöglicht wurde. Sie hat stark abgenommen und leidet häufig unter Fieber und Schwindelattacken. Ihr Einkommen aus ihrem Frisörsalon war besonders wichtig für die Familie. Durch ihre Krankheit fällt es allerdings zur Zeit aus. Die Miete für den Salon ist bis Ende Dezember gezahlt, was danach passieren wird, steht derzeit in den Sternen.

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Wastaras Mann hat sich im August von ihr scheiden lassen und sie und ihren Sohn Dulli innerhalb eines Tages vor die Tür gesetzt. Sie zog also wieder bei ihrer Mutter Mgeni ein, was bedeutet, dass derzeit 10 Leute in dem kleinen– nach dem Umbau natürlich wiederum etwas geräumigeren – Haus leben.

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Auch Mkongwe hat große Probleme mit ihrem Ehemann Amery, der oft tagelang nicht nach Hause kommt und sie auch nicht finanziell unterstützt. Sie und ihre beiden Töchter werden so vom Rest der Familie erhalten, da sie mit ihrem Säugling auch nicht arbeiten kann.

All dies klingt äußerst aussichtslos und es wurde uns allen klar, dass sich schleunigst etwas ändern muss. Die drei Töchter müssen sich von den Männern unabhängig machen, was in der Gesellschaft Zanzibars sehr untypisch erscheint. Dennoch gibt es keinen anderen Ausweg, auf die eigentlichen „Erhalter“ ist kein Verlass. Da alle drei ein Talent für den Frisörinnenberuf und Henna-Malerei haben, erscheint es naheliegend, dass sie zusammen ein Geschäft eröffnen. Mtumwas Salon ist dafür viel zu klein (etwa 5 qm), es gibt kein laufendes Wasser und oft keinen Strom, außerdem liegt es abseits der Stadt und so verirren sich nur wenige Kundinnen dorthin. Perfekt wäre ein kleiner aber feiner Laden in der Stadt, wo sie auch Touristinnen ihre Dienste anbieten könnten, womit natürlich immer mehr Geld zu verdienen ist. Wie genau man sie dabei unterstützen könnte, müssen wir uns genau überlegen und durchkalkulieren, damit wir nicht vor einer bösen Überraschung stehen!“

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Die letzten Schritte

Gestern haben wir mit dem Handwerker Mussa die letzten Schritte für dieses Mal besprochen. Er wird noch diese Woche beginnen, die Wand an der Vorderfront bis unter das Dach hochzuziehen, die Fenster im Anbau, Küche und WC einzusetzen, sowie das neue Eingangstor, welches ich in den nächsten Tagen abholen kann. Außerdem wird in allen Räumen der Boden gelegt, bzw. gegossen.

Dafür benötigt er:
150 Betonziegel
2 Wagen Sand
1 Wagen Spachtelmaße
18 Säcke Zement
seinen Lohn und der seines Helfers

Er wird voraussichtlich einen Tag für die Wand, einen für Fenster und Tür und einen Tag für jeden Raum benötigen, was bedeutet, dass er noch vor meiner Abreise in genau zwei Wochen :( fertig werden sollte.

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Hinter Gittern

Ich hielt es für eine willkommene Abwechsung, Zanzibar nach langer Zeit wieder einmal als Touristin zu betrachten und so freute ich mich auf den geplanten Ausflug nach Prison Island. Prison, oder Changuu Island, bekam diesen Namen, da sie zunächst von arabischen Sklavenhändlern genutzt wurde. Später bauten die Briten darauf ein richtiges Gefängnis, das allerdings nie zum Einsatz kam, statt dessen wurde es als Quarantänestation genutzt.
Hamadi und ich hatten schon lange vor, diese Insel einmal zu besuchen, haben es aber immer wieder verschoben, doch diesmal waren meine Freundinnen aus Wien zu Besuch und so gab es kein Entrinnen mehr. Von meiner ehemaligen Mitbewohnerin bekam ich den Tip, den halbtägigen Kurztrip über das Havens Guesthouse zu organisieren und so bekamen wir auch noch einen großzügigen Diskcount, als wir für 6 Leute reservierten.

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Donnerstag 9 Uhr morgens trafen wir also vor dem Guesthouse ein, von wo wir gemeinsam zu unserem Boot am Hafen gehen sollten. Hamadi war mit dem eingeschlagenen Weg nicht einverstanden und schickte den Guide auf seinem Rad voran, wir nahmen einen seiner typischen „Shortcuts“ und tatsächlich trafen wir vor ihm am Strand ein… Jedes Mal wenn ich am Strand gesessen und das Meer und die kleinen, motorisierten Fischerboote beobachtet habe schwor ich mir, auf gar keinen Fall das Boot mit dem Namen „Jambo“ zu betreten, das eindeutige Zeichen für alles, was mit Tourismus zu tun hat. „Kipepeo“ (Schmetterling) und „Amini“ (Versprechen) ließ ich mir noch einreden, eventuell auch noch „Gladiator“ und „Mr. Bean“, aber „Jambo“…? Niemals! Und nun sah ich unseren Guide direkt auf das sich dem leichten Wellengang hingebende „Jambo“ zusteuern… Ich gebe ehrlich zu, ich hasse jegliche Art von Fortbewegung am und im Wasser. Egal ob große Fähre oder kleines Fischerboot, ich muss beides nicht haben, weshalb ich die Fahrt über das wunderschöne türkise Meer und den atemberaubenden Ausblick auf Stone Town leider nicht wirklich genießen konnte. Nach etwa 25 Minuten waren wir endlich auf Prison Island angekommen und wir amüsierten uns sehr darüber, als Hamadi das erste Mal in seinem Leben feststellen konnte: „Ich bin ein Tourist“!

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Nach kurzer Aufregung darüber, dass wir doch noch einen Eintritt auf die Insel zahlen musste, was uns bei der Buchung nicht gesagt wurde, began der Ausflug mit einem Besuch bei den Riesenschildkröten. Und wenn ich riesig sage, dann meine ich riesig. Die ältesten unter ihnen sind bereits 150 Jahre alt und wiegen 550 Pfund, fragt mich nicht wieviel das in Kilogramm ist, aber es klingt unglaublich schwer. Die Schildkröten wurden im späten 19. Jahrhundert von den Aldabra Insel in den Seychellen auf Prison Island gebracht, man ist sich aber nicht sicher, ob der zanzibarische Sultan Sayyid sie importiert hat, oder ob sie von französischen Seefahrern dort gelassen wurden. Schildkröten scheinen öfter auf Schiffen mitgenommen worden zu sein, um im Notfall frisches Fleisch zu liefern… Wir bekamen alle ein Bündel Spinat in die Hand gedrückt und sahen uns sofort der Gier der Tiere ausgeliefert. Bisher hatte ich nur das Vergnügen, Wasserschildkröten zu treffen, die einen sehr ruhigen Eindruck auf mich machten. Und so waren wir alle eher überrascht über die stürmische Art der Landschildkröten, die sich schneller bewegten als erwartet, um an ihre Portion des Spinats zu kommen. Von Hamadis Beispiel lernten wir auch, dass man das Essen auf gar keinen Fall hinterm Rücken verstecken sollte, will man seine Finger behalten… Anschließend durfte ich auch noch den Nachwuchs der Fressarmee, eine Baby-Schildkröte in den Armen wiegen.

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Nach diesem netten Start gingen wir weiter zur Besichtigung des ehemaligen Gefängnisses und ganz ehrlich, ein Gefängnis hätte ich mir anders vorgestellt. Blendet man die Ketten und Ringe, die zur Fesselung der Sklaven noch im Boden verankert sind aus, macht alles einen ziemlich netten Eindruck auf einen, vor allem der Ausblick ist ein Verbrechen wert. Die Stimmung wird unterstrichen durch das neu eingerichtete Restaurant, dass die Gefängnis-Atmosphäre vertreibt und mit unwahrscheinlich unverschämten Preisen protzt.
Einige von uns bewunderten bei einem einstündigen Schnorchelausflug noch die zanzibarische Unterwasserwelt und schlossen sogar Bekanntschaft mit Nemo persönlich, wir anderen genoßen einfach nur die Sonne und der herrlich ruhigen Strand, bis wir am frühen Nachmittag auch schon wieder Richtung Stone Town aufbrachen.

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Wir sind hier nicht auf VOX

In den vergangenen Wochen hat sich auf der Baustelle so einiges getan. Eines der größten Probleme stellte die Suche nach dem richtigen Material für das Dach dar. Wie muss man sich eine Dachkonstruktion auf Zanzibar vorstellen? Zunächst einmal werden die Dächer hier fast ausschließlich mit Wellbleckplatten gedeckt. Die wenigen Häuser, die in der starken Mittagssonne nicht silbrig glänzen, sind Regierungsgebäude oder solche, deren Wellblechdächer rot bemalt worden sind. Während einer Daladala-Fahrt habe ich aber auch ein Haus entdeckt, dessen Außenwand Neongelb gestrichen war, das Dach aber, die Fensterläden, die Türen, der Zaun, ja sogar die Satelittenschüssel stachen in einem kräftigen blau hervor…
Wellblechplatten zu finden ist nicht schwer, in Mlandege, einem der äußeren Stadtteile und neben meinem Lieblingsmilchlieferanten der Umschlagplatz für Baumaterial, reiht sich ein Geschäft an das nächste. Es galt nur noch Platten auszuwählen und den Preis zu verhandeln. Wir wählten die billigere der beiden Qualitäten und zahlten am Ende unglaubliche 464.000 Tsh für 38 Platten inklusive Transport. Langsam began ich zu verstehen, wieso die meisten Dächer hier aus irgendetwas zusammen geflickt werden… Da stand ich also vor diesem kleinen Pickup, zusammen mit Mgeni, dem Handwerker, Hamadi und dem Fahrer und fragte mich in meiner Naivität, wie wir wohl alle in die für zwei Menschen konstruierte Fahrerkabine passen werden. Mein Hirn began langsam wieder auf „Zanzibar“ umzuschalten und meine Bedenken änderten sich in: wie werden Mgeni und ich auf den Beifahrersitz passen… Als Mgeni schließlich meinte, ich allein solle mich nach vorne setzen, wollte ich das auf gar keinen Fall. Ich konnte doch nicht diese ohnehin schon betagte Frau hinten auf der Ladefläche sitzen lassen. Schlimm genug, dass die beiden Männer dort sitzen mussten. Aber alle Diskussion gegen die sturre Mgeni nützte nichts und so fand ich mich besorgt und beschämt neben dem Fahrer wieder, der wundersamerweise ohne genauere Anweisungen auf Anhieb den Weg zu „unserem“ Haus fand und Menschen und Wellblech sicher abladete. Als wir ankamen machte sich Mgeni wie gewohnt sofort ans kochen, damit sich alle nach beendeter Arbeit über ihren Teller stürzen konnten. Da der Weg, der zum Haus führt, viel zu schmal für den Pickup war, mussten wir die Platten schon etwa 100 Meter davor abladen, was nun bedeutete, dass Hamadi, Wastara, der Nachbar Mohammed und ich sie zum Haus schleppen mussten. Im Haus ergab sich dann das nächste Problem, wo sollten wir die 10 Fuß langen Platten verstauen? Natürlich dort, wo alles immer irgendwie seinen Platz findet, in Mgenis Zimmer, gleich hinter dem Schlafplatz der Hühner. Zum Glück ist das Zimmer genauso lang wie die Platten…

Viel schwieriger als der Kauf des Wellblechs erwies sich die Suche nach geeigneten Deckenbalken. Für die Dächer hier braucht man verschiedene Stärken an Balken. Die dicksten liegen auf den Wänden auf und tragen danach das ganze Dach. Die weniger dicken werden an den Wellblechplatten befesteigt und die dritten schließlich stellen die Verbindung zwischen Basiskonstruktion und Platten dar. Diese Konstruktion ermöglicht es, später einmal eine richtige Decke einziehen zukönnen, wofür Deckenplatten, eine Lehmmischung und Unmengen an dünnen Bälkchen benötigt werden. Nachdem ich mit dem Handwerker ausgemacht hatte, er sollte sich nach geeigneten Balken umsehen und wir treffen uns dann beim Geschäft, rief er eines schönen Morgens an und meinte, wir sollen jetzt sofort kommen und uns beim Haus treffen. Also ließen wir alles stehen und liegen und machten uns wieder mal auf nach Amani, wo er in einer typisch zanzibarischen Ruhe schon auf uns wartete. Wir fuhren gemeinsam wieder zurück nach Mlandege in ein Geschäft, wo man uns mitteilte, dass es hier die dünnere Balkenart nicht gab. Ich gebe zu, ich war schon relativ entnervt, dass wir nach Amani gefahren waren um sofort wieder umzudrehen. Ich fragte ihn, wofür wir dann hier seien. Er meinte, wir könnten die dickeren schon kaufen und uns dann um dünnere umsehen. Diesen Vorschlag lehnte ich ab, da ich keinen Grund dafür sah, zwei verschiedene Transporter zu zahlen und ich um Mgeni besorgt war, die auch gekommen war und der ich nicht zumuten wollte, stundenlang in der Mittagssonne von einem „Baumarkt“ zum nächsten zu hatschen. Sie wiederum machte sich Sorgen, ob mir das wohl zuzumuten war… Dennoch gingen wir den ganzen langen Weg nach Samaki zu Fuß, wo der Handwerker unendlich lange die Balken betrachtete und nach einem mir unverständlichen Kriterium begutachtete. Hier gäbe es die dicken nicht, teilte er uns schließlich mit. Wir setzen uns und besprachen, wie es weitergehen soll, als plötzlich der Muezzin rief und die Männer verschwanden. Als sie endlich zurück kamen, riefen wir den Besitzer des Geschäfts zu uns. Er meinte er könnte die Balken bestellen, der Preis wäre dann aber etwas teurer. Als ich ihn fragte, wie lang es denn dauernd würde und er nach kurzem Gegrübel zunächst „nach Ramadan“ und nach meinem erstaunten Blick schließlich „drei Tage“ sagte, lehnte ich sofort ab. Das war unmöglich, wir würden die Balken nie zu Gesicht bekommen! Zuerst soll es 6 Wochen dauern und dann nur noch 3 Tage? Nein nein, das kenn ich nur zu gut… danke und Auf Wiedersehen.

Auf eine erneute Suche hatte an diesem Tag keiner mehr Lust und so gab ich dem Dachdecker den Auftrag, ein Geschäft zu finden, wo alle Balken vorrätig wären und mich erst dann anzurufen. Zwei Tage später bekam ich in der Früh einen Anruf, er und Mgeni wären irgendwo und hätten schon alle Balken ausgesucht, ich bräucht nur mehr kommen und bezahlen…Danke… Ich bat Hamadi, mich nach ich-weiß-wirklich-nicht-wohin zu begleiten, da ich null Plan hatte, in welchen der unzähligen Daladala ich steigen und wo wieder aussteigen sollte. Er rief den Handwerker noch einmal an, der ihm anscheinend den Namen irgendeines Fußballfeldes nannte und Hamadi wusste sofort Bescheid. Als wir nach einer halbstündigen Fahrt im Nirgendwo ankamen, saßen Mgeni und der Handwerker neben einem Fußballfeld auf einem Haufen Balken und starrten Löcher in die Luft. Ich machte sicher, dass das alle Balken waren, die wir bräuchten und fragte nach dem Preis. Das hätte er noch nicht gefragt. Sehr lustig, aber hauptsache schon ausgewählt… Als mir der mit einem Solartaschenrechner bewaffnete Verkäufer aber den Gesamtpreis ausrechnete, musste ich mich dann darauf konzentrieren, dass meine Augen nicht herausfielen. Ich bat ihn darum, den Preis nochmal zu wiederholen – nein, ich hatte mich tatsächlich nicht verhört. Im Gegensatz zu seinem Taschenrechner, litt meine Birne unter den Sonnenstrahlen, dennoch schaffte ich es, diesen Preis in Euro umzurechnen… Ich erinnere mich noch daran, ein kurzes „Wow“ herausbekommen zu haben. Verwirrt ging ich zu meinen Leuten zurück und verkündete ihnen den stolzen Preis von 470.000 Tsh, ohne Transport. Ich setzte mich auf den Balkenturm und rechnete aus, wieviel das Dach also insgesamt kosten würde. 560 Euro. Verdammt. Wie kann sich ein Handwerker bei einem Kostenvoranschlag nur so verrechnen. Und da waren noch nicht einmal seine Arbeitskosten dabei. Ich saß ziemlich frustriert einige Minuten stumm da und merkte, wie alle Blicke erwartungsvoll auf mir ruhten. Nun waren schon alle Wände aufgezogen, alles war vorbereitet und geplant, alle hatten wir uns schon gefreut. Die nicht eingeplanten Kosten für die Reparatur der Sickergrube hatten ca. 100.000 Tsh verschlungen. Der Preis für die Betonziegel ist seit Februar um 200 Tsh pro Stück gestiegen, insgesamt 80.000 Tsh mehr als geplant. Die Pläne für das Dach haben wir umgeändert, so dass das gesamte Haus bedeckt wäre und der Regen die Wände und den Boden innen nicht beschädigen kann. Die Schulgebühren für den kleinen Sele habe ich übernommen, 35.000 Tsh. Ich wusste, dass das Budget von Betterplace diese ganzen zusätzlichen Kosten nicht mehr decken konnte. Ich betrachtete Mgeni, die wie ein Häufchen Elend beschämt zu Boden blickte und wusste, ich musste das jetzt durchziehen. Entschlossen stand ich auf und ging zum Verkäufer, um den Preis nochmal zu verhandeln. Schließlich zahlte ich 430.000 Tsh inklusive Transport. In einer einstündigen Aktion luden die Arbeiter das Material auf einen großen Lkw, während rote Riesenameisen meine Füße zerbissen.
Diesmal fanden Mgeni und ich beide Platz in der Fahrerkabine, Hamadi, der Handwerker und die beiden Arbeiter klammerten sich hinten an die Balken. Ich hatte selten so Angst um jemandem, als bei dieser Fahrt, vor allem auf den löchrigen, kurvigen Erdstraßen, auf denen der Lkw ununterbrochen umfallen wollte, wobei die dürftig befestigten Balken runtergerollt und die Burschen erschlagen hätten. Irgendwie schafften wir es mehr oder weniger sicher nach Hause, wo die Arbeiter wieder 100m vor dem Haus die seitliche Klappe des Lkw hinunter klappten und die Balken zu Boden bretterten. Sie sprangen auf ihr Gefährt und fuhren ab. Da standen wir also, vor einem Megahaufen Balken, der zum Haus verfrachtet werden musste, während es still und leise anfing zu tröpfeln… Es nützte alles nichts und wir machten uns an die Arbeit, allerdings nur ich und Hamadi, da der Handwerker dringend irgendwo hin musste. Eh klar. Ich fand schnell raus, dass ich zwei dünnere Balken hinter mir her ziehen konnte, die Hamadi währenddessen aus dem Stappel befreite. Die Schwestern betrachteten kichernd das Szenario zusammen mit den Nachbarinen, bis ich ihnen zuzischte, sie könnten sich auch nützlich machen. Schließlich schleppten Wastara, Mkongwe und die dicke Nachbarin mit tatkräftiger, aber eher behindernder Unterstützung von Sele und Dulli, die dünnen Balken, Hamadi hingegen die dicken. Nach 3 Stunden brachen wir alle vor dem Haus zusammen und empfingen dankbar Mgenis Essen.

Um mit der Konstruktion des Daches zu beginnen, fehlten auf dem alten Teil des Hauses noch zwei Reihen Ziegel, damit alle Wände sich auf dem selben Niveau befanden. In nur zwei Tagen schafften es der Maurer und Hamadi, das alte Dach abzubauen und die Wände hochzuziehen. Nach drei Tagen war alles getrocknet und der Dachbau konnte an einem Montag beginnen. Ursprünglich war geplant, dass vier Männer, der Dachdecker und drei Hilfsarbeiter, vier Tage lang daran arbeiten würden. Umso überraschter war ich also, als ich am Dienstag Abend Wastaras Anruf bekam, die mir freudig mitteilte, das Dach sei fertig. Das waren mal positive Nachrichten, ich hatte mit einer Woche und plötzlich auftretenden Problemen gerechnet. Ich traf mich also am Mittwoch mit dem Dachdecker beim Haus um ihn zu bezahlen. Insgesamt zahlte ich den vier Männer 180.000 Tsh. Es stellte sich später heraus, dass dieser Preis weit unter dem normalen lag, was mir im Nachhinein zwar unangenehm ist, aber so hatten wir es nun mal ausgehandelt und für hiesige Verhältnisse ist es immer noch sehr viel Geld. Etwas überrascht war ich dennoch, das das Dach an der vorderen Hauswand offen stand. Mgeni erklärte mir, dass mache man hier so, weil es einen weiteren Anbau ermögliche. Den offenen Teil müsste man derweil zumauern. Also wieder mauern, na bravo…

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Es ist hier kaum vorstellbar, wie solch ein Hausbau in Europa funktioniert. Man ruft einen Handwerker, der einem einen Kostenvoranschlag macht, der auf bestimmten Materialkosten und seiner Arbeitszeit beruht. An diesem Gesamtpreis kann man sich in der Regel ziemlich sicher orientieren. Es wird ein Plan gezeichnet und man kann davon ausgehen, dass das Haus am Ende jenem gezeichneten zumindest annähernd ähnelt. Hier läuft das nicht so. Preise ändern sich von Woche zu Woche und zwar alle Preise. Ich kann mich noch gut daran erinnern, dass ich letzten Sommer für ein halbes Kilo Basmatireis 800 Tsh gezahlt habe, jetzt sind es mittlerweile 1200 Tsh. Im Februar kostete ein Betonziegel mittlerer Qualität 450 Tsh, nun muss man mit mindestens 650 Tsh rechnen, mancherorts sogar 700 Tsh. Letzte Woche habe ich für ein Kilo Zucchini 1000 Tsh gezahlt, gestern waren es 2000 Tsh. Die Preise für Lebensmittel steigen allerdings für gewöhnlich während des Ramadans und fallen danach wieder. Wie dem auch sei, man kann aufgrund dieser wahnsinnigen Preisschwankungen bzw. unfassbar starken Steigerungen nicht so genau planen. Ich denke das ist auch der Grund, warum man hier so viele unfertige Häuser sieht. Um ein Haus fertig zu stellen, werden in der Regel mehrere Jahre benötigt, bei uns würde man nach dieser Zeit eventuell schon über einen Wiederverkauf nachdenken. Außerdem treten andauernd plötzliche Probleme auf, wie zum Beispiel unsere Sickergrubengeschichte. Die ungefähren Vorstellungen eines Bauplanes werden mit Hilfe eines Steckens in der Erde veranschaulicht, kein Wunder also, wenn sich im Nachhinein, wenn er wieder verwischt ist, nicht immer daran gehalten wird. Teilweise musste ich die Planung den Handwerkern überlassen, da sie sich letztendlich am besten in ihrem Métier auskennen, das Material, Einflüsse von Niederschlägen und was hier sonst noch so zu bedenken ist, auf jeden Fall besser kennen als ich. Meine Vorstellungen, die sich daraus ergeben, woran ich von zuhause in Europa nun mal gewohnt bin, bringen mir hier rein gar nichts. Woher soll ich wissen, mit welchem Kies man Lehm mischt, Wellblechplatten zusammenbaut, Fundamente aus Korallenstein legt…? Aus VOX weiß ich lediglich, dass ein Fertighaus, dass man in der Slovakei bestellt, innerhalb von einer Woche auf deutschem Boden schlüsselfertig übergeben wird und, dass das Team von Schöner Wohnen eine Wohnung an nur einem Tag komplett renoviert…

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