Mittlerweile sind schon einige Wochen vergangen und die traurige Nachricht ist, in Amani brennen noch immer keine Lichter.
Noch bevor die Stromversorgung auf Zanzibar am 9. März wieder zu funktionieren began, haben wir alle nötigen Vorbereitungen für den Anschluss getroffen. Aber wie sieht die Prozedur für einen Stomanschluss auf dieser Insel aus?
Die bequemste Variante ist, alles dem Stromunternehmen zu überlassen. Bis zur Fertigstellung kann dies allerdings einige Monate beanspruchen, da sie in der Regel länger braucht, um die Arbeit überhaupt zu beginnen. Auch verlangt sie dafür deutlich mehr Geld.
Hat man es etwas eiliger, kann man einen eigenen Elektriker beauftragen, alle Kabel, Schalter, Steckdosen, Sicherungskasten etc. zu installieren, so dass schlußendlich nur mehr ein Elektriker des Unternehmens die Stromleitung von einem der Nachbarhäuser bis zum eigenen Haus verlegen muss. Danach müssen Registrierungsformulare beim Unternehmen abgegeben und die Gebühren dafür bezahlt werden, anschließend kommt ein so genannter Survey und misst die Distanz, rechnet so die Länge für die Leitung aus und teilt einen mit, ob man noch weiteres Material benötigt, wie in unserem Fall beispielsweise einen Strommasten.
Wir entschieden uns für die zweite Variante, nichtsahnend, wie aufwendig die ganze Angelegenheit sich gestalten würde. Zunächst beauftragten wir drei verschiedene Elektriker damit, einen aktuellen Kostenvoranschlag zu machen. Viele Elektriker arbeiten offiziell für das Stromunternehmen und arbeiten in ihrer „Freizeit“ auch privat, um ihr spärliches Gehalt aufzubessern.
Der erste Elektriker war etwas suspekt, stellte eine zwei seitige Liste mit benötigtem Material zusammen, auf der auch der Zähler aufschien, welcher eigentlich vom Unternehmen selbst geliefert wird. Aber dieser Herr erklärte mir, man könnte auch einen gebrauchten Zähler am Markt erwerben und diesen dann umprogrammieren. Aja, kann man…? Danke, wir werden sie anrufen, sobald wir das Geld zusammen haben…
Der nächste meinte, mit dem Zähler hätte er nichts am Hut und schrieb geschwind eine Materialliste. Er rechnete den Preis aus – 450.000 Tsh – wir könnten ihm das Geld sofort geben und er würdegleich morgen alles besorgen und dann mit der Arbeit beginnen…. Die Registrierung würde er auch für uns machen, wir müssten ihm nur einen Personalausweis mitgeben…
Schließlich fanden wir unseren Mann, ein Verwandter einer Nachbarin, der schon mehrere Leitungen in der Umgebung gelegt hat. Sorgfältig schrieb er alles auf, erklärte, nicht ohne uns genau zu erklären, was er wofür benötige. Er gab uns eine ungefähre Vorstellung von den Preisen, meinte aber, man müsse selber in die Geschäfte gehen und sehen, wo was am billigsten sei. Guter Plan. Wir bekamen Tipps, in welchen Geschäften wir es probieren sollten und dann nannte er uns den Preis für seine Arbeit: 150.000 Tsh, deutlich weniger als seine beiden Vorgänger.
Am nächsten Morgen machten wir uns mit Hamadi und Simba auf zum Shopping. Auf halben Weg beschloß ich aber, die beiden alleine ziehen zu lassen, da meine Anwesenheit wahrscheinlich nicht wirklich förderlich war, um einen möglichst niedrigen Preis zu erzielen. Nach knapp zwei Stunden riefen sie mich an und wir trafen uns wieder. Sie hatten 145.000 Tsh ausgegeben, im Gegensatz zu der 450.000 Tsh Prognose ein Schnäpchen! Am Nachmittag kam der Elektriker, kletterte an den Wänden rauf und runter – ohne Leiter wohl bemerkt – , schmiss mit Kabeln um sich, schnitt sie ab, knotete sie zusammen, schob sie durch die Kanäle, zog sie wieder raus, ordnete sie anders an. Dann drehte er die Kiste mit den Schalter um und entleerte sie auf den Boden, kramte darin herum, schraubte hier, schraubte da. Das selbe Spektakel mit den Steckdosen. Während seinem Spiderman Schauspiel bröckelte der Putz an der noch unfertigen Decke ab, Staub wirbelte herum, Kabelreste und Verpackungen flogen umher. Ich versuchte Schadensbegrenzung zu betreiben und lief mit dem Besen hinter ihm her, was sich bald als Sisyphus-Arbeit entpupte… Ich gab auf.
Am Abend teilte der Elektiker uns mit, dass er am nächsten Morgen wieder kommen müsste, um die Außenlampe zu montieren, die Erdung und den Sicherungskasten zu machen. Also kam er wieder, doch verzichtete er diesmal auf seine akrobatischen Übungen. Bis Mittag war er mit allen Arbeiten fertig und ich hatte eine Menge dazu gelernt. Zum Beispiel, dass man, um eine Erdung zu machen, ein Loch gräbt und es mit Kohle und 3 Kilo Salz füllt. Oder, dass man Kabelhalter einfach aus seiner eigenen Gummihülle basteln kann…
Nach der Registrierung beim Unternehmen kam der schwierigere Teil der ganzen Angelegenheit: das Stromunternehmen dazu zu bekommen, jemanden zum Distanzmessen zu schicken. Nachdem auch dafür Wartelisten existieren, meinten die Nachbarn, die Surveys würden nach der Arbeit auch privat vorbeischauen und das Ergebnis auf ein offizielles Formular kritzeln. Also kam der erste daher. Ich war noch nicht da, aber Hamadi und Damtu waren schon im Gespräch mit ihm vertieft und verkündeten mir seinen Kostenvoranschlag. Er meinte, dass das ganze 600.000 Tsh kosten würde, wenn man den offiziellen Weg gehe, er würde es aber um 400.000 Tsh machen. Als er mich sah, fiel ihm noch irgendetwas ein, das er vergessen hatte und wollte plötzlich 450.000 Tsh. Ich war etwas sauer.
Ich rief meinen Freund Siso an, um ihn zu fragen, ob er sich noch daran erinnern könne, was er für den Stromanschluss gezahlt hatte. Er wusste es nicht mehr, sagte mir aber, dass ein Freund von ihm beim Stromunternehmen arbeitet und er ihn sofort anrufen würde. Leider konnte er ihn aber nicht erreichen, so schickte ich den schon schlecht gelaunten Herren weg…
Am nächsten Tag kam ein anderer Survey zu uns, ein Bekannter von Damtu. Die Kosten für seine Arbeit fielen deutlich billiger aus, er meinte allerdings, dass man das Material für den Anschluss direkt beim Unternehmen kaufen müsse, ansonsten würde dieser nicht akzeptiert, der Zähler also nicht aktiviert werden. Außerdem meinte er, wir bräuchten einen Strommasten und nicht nur einen Masten am Dach, wie der erste Survey gesagt hatte.
Wir waren ratlos. Wieder rief ich Siso an, der kurzerhand mit mir zum Stromunternehmen fuhr und mich seinem Freund persönlich vorstellte. Er bestätigte die Information, dass das Material direkt bei ihnen gekauft werden müsse und meinte, dass er sich das mit dem Masten ansehen müsse. Das Problem war nur, dass wir am nächsten Tag nach Dar es Salaam abfahren mussten. Mgeni wollte nicht, dass ich das Geld für den Anschluss im Haus lasse. Sie meinte es wäre besser, wenn Hamadi und ich für einige Tage nach Zanzibar zurückkommen und die Angelegenheit persönlich klären würden. Hamadi wird also nächste Woche hinfahren und mit Sisos Freund hoffentlich den Stromanschluss fertigstellen. Damit Sele nicht mehr erfolglos auf den Lichtschaltern herumklicken muss…

