Family Update

Abgesehen davon, dass das Projekt „Stromanschluss“ nur schleppend vorangeht, tut sich in Amani doch so einiges.

Mgeni, die sich immer noch wie eine Schneekönigin über das „neue“ Haus freut und probiert, es so schön wie möglich zu gestalten, litt in letzter Zeit an Ohrenschmerzen und Problemen mit ihren Füßen. Ihr linkes Ohr verschließt sich ab und zu, sie hört dann tage- oder sogar wochenlang nichts auf dieser Seite, bis es einmal „Blopp“ macht. Mit Ohrentropfen haben wir dieses Problem ziemlich gut in den Griff bekommen. Wegen ihren Beinen, welche sie in der Früh nicht tragen wollen, wollte sie aber nicht zum Arzt, wie ich es vorgeschlagen hatte, im Spital würde sich doch eh niemand darum kümmern, wir würden nur unseren Tag vergeuden… Vor drei Wochen erzählte sie mir, dass sie eine alte Freundin wiedergetroffen hätte, die anscheinend dasselbe Problem hatte und sich von einem Arzt in einer kleinen christlichen Klinik in der Ortschaft Machui mit Erfolg behandeln hatte lassen. Sie würde auch lieber diesen Arzt aufsuchen, als das staatliche Mnazi Mmoja Hospital. Die Behandlung bestünde aus Nadeln, die einem in den Fuß gestochen würden, und das einmal die Woche. Ich ging davon aus, dass die Rede von Akupunktur war und willigte ein, ihr das Geld dafür zu geben, insgesamt 20.000 Tsh. Wenn es ihr besser geht, möchte Mgeni Ende April in ihre Heimat Pempa fahren, um sich etwas vom ganzen Geschehen zu Hause zu erholen. Es ist ihr nicht zu verdenken…

Damtu möchte einen kleinen Friseursalon eröffnen. Bis sie genug Kunden hat und sich einen Namen in der Umgebung gemacht hat, möchte sie zu Hause arbeiten, sobald der Strom eingeleitet wurde. Wenn alles gut geht, kann sie später einen kleinen Laden an der Straße anmieten. Ihr Mann Simba hat derzeit keine Arbeit. Er hat bis Anfang Februar in Kendwa einen kleinen Souvenirshop am Strand betrieben, doch die Regierung hat diese Shops verboten und sie niedergebrannt, die Besitzer wurden vertrieben. Angeblich schaden die Shops dem Geschäft der Hotels, die haben sich aber angeblich nicht darüber beschwert. Auch das Gerücht, die „Beachboys“ würden die Touristen bestehlen, scheint nicht zu stimmen. Das ganze ist mehr als merkwürdig und hat gleichzeitig unzähligen Menschen ihre Arbeit gestohlen. Ihr Sohn Sele geht weiterhin zur Schule. Zur Zeit besucht er die letzte Klasse der Nursery School und ab September die erste Klasse der Primary School. Wobei ich sagen muss, dass der Stoff der Nursery School so ist wie bei uns der der Volksschule. Unterrichtet werden die Fächer Kiswahili, Englisch, Mathematik, Religion und Zeichnen. Seles letztes Zeugnis war sehr gut, Probleme hat er nur im Fach Englisch, da ihm das Auswendiglernen des Alphabets noch schwer fällt.

Mkongwe und ihr Mann Amery haben die drei vorgeschriebenen Monate Wartezeit für ihre Scheidung, welche dazu dient, eine mögliche Schwangerschaft auszuschließen und dem Paar noch eine Bedenkzeit zu geben, hinter sich. Keiner will zum anderen zurück, Amery widmet seine neu gewonnene Freiheit dem Alkohol, statt sich um seine zwei Töchter zu kümmern. Die kleine Samrat wurde gerade von der Brust entwöhnt und weint seither fast ununterbrochen.

Swaiba konnte nicht mehr in die Nursery School gehen, denn ihr Vater weigert sich, dafür zu bezahlen und ihre Mutter hat keine Arbeit. Nun hat mein Vater sich großzügigerweise dazu bereit erklärt, für die Kosten ein Jahr lang aufzukommen. Seit 1. April geht Swaiba also in dieselbe Schule, die auch Sele besucht, und zwar in einem kleinen weißen Hemdchen und einem dunkelgrünen Rock.

Von Wastara kommen die wahrscheinlich besten Neuigkeiten, denn sie hat vorletzte Woche mit ihrer Ausbildung zur Schneiderin begonnen. Der Lehrgang dauert ein Jahr, der Kurs findet 5 Tage die Woche von 7 in der Früh bis 13 Uhr statt. Sie hat zunächst zwischen Köchin und Schneiderin geschwankt, sich aber schließlich für Letzteres entschieden, da man beim Kochkurs täglich die benötigten Zutaten selber mitbringen muss, was auf die Dauer schwer zu bezahlen wäre. Auch beim Schneiderkurs muss man eigene Stoffe mitbringen, anfangs jedoch lernen die SchülerInnen mit Papier und Stoffe sind hier ironischerweise bei weitem nicht so teuer wie Nahrungsmittel, ein Meter kostet etwa 600 Tsh, also 30 Cent. Die gesamte Ausbildung kostet nur 70.000 Tsh, also umgerechnet 40 Euro. Ich hoffe, dass ihr die Ausbildung neue Perspektiven im Leben bieten wird und sie sich selbst bald nicht mehr in einer aussichtslosen Situation sieht, sondern als unabhängige, fähige junge Frau, die ihre Zukunft selbst in die Hand nehmen kann.

(Danke an meinen Vater, der mir seine Fotos für diesen Beitrag zur Verfügung gestellt hat.)

Hinterlasse einen Kommentar

Eingeordnet unter Uncategorized

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Log Out / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Log Out / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Log Out / Ändern )

Verbinde mit %s